Trinity - #05  

  RSS
Chateya
(@chateya)
Admin

SD 2417.203, 15:40 Uhr, Bereitschaftsraum des Captains, USS Iowa

Vor anderthalb Stunden hatte Suval die angeforderte taktische Analyse erhalten.
Diese umfasste neben den aufgezeichneten Daten über die drei iconianischen Schiffe Vergleiche zu den Informationen aus den Datenbanken, welche in der Andromeda Galaxie von der Iowa selbst gesichert worden waren, und von den Studien an zwei baugleichen Schiffen, die weitere Expeditionen nach der Iowa vor Ort gesammelt hatten. Das Fazit bildete eine Empfehlung beider taktischer Offiziere, die sich in Wortlaut und Dringlichkeit nicht von dem unterschied, was Toni Bretano auf der Flucht aus dem Hauptsystem der Tzenkethi bereits formuliert hatte – taktischer Rückzug, Informationsweitergabe, Verstärkung anfordern.

Mit dem ersten Punkt war die Iowa seit fast vier Stunden fortlaufend beschäftigt.

Was die Informationsweitergabe betraf war nach dem ersten Funkspruch – der lediglich die Information beinhaltet hatte, dass die Verhandlungen gescheitert waren und es zum Feindkontakt gekommen war – ein zweiter abgesetzt worden, was jedoch im Zuge dessen, dass sich das Schiff auf der Flucht befand, ein enormes Risiko darstellte. Die Verbindung war trotz Verschlüsselung nicht abhörsicher, bedurfte einer großen Energiemenge und die Nachricht brauchte Zeit – so sie denn überhaupt ankommen würde. Sicherheitshalber waren nur die gesammelten Sensordaten ohne weitere Kommentare geschickt wurden – nichts durfte für jemanden, der unbefugt mithörte, darauf hindeuten, dass die Iowa über den kurzzeitigen und fast fatalen Kontakt hinaus wusste, womit sie es zu tun hatte. Hinzu kam, dass das Absenden der Nachricht sich mit dem Einschalten einer Taschenlampe mitten in einem dunklen Raum vergleichen ließ – es brachte zwar kurz Licht ins Dunkle, aber man verriet auch, wo man sich aufhielt.

Beim Thema Verstärkung war aus Suvals Sicht die Empfehlung mit der Realität nicht vereinbar, weshalb sie eine Entscheidung getroffen hatte, die ihr als Individuum nicht gefiel, aber ihrer Verantwortung als Offizier der Sternenflotte entsprach. Darüber gedachte sie nun ihre Führungsoffiziere zu unterrichten, während der Computer damit begann, auf ihre Anweisung hin das Logbuch des Schiffes zu sichern.

SD 2417.203, 15:45 Uhr, Konferenzraum der USS Iowa

Die Anwesenden warteten bereits seit einigen Minuten, als Suval entschlossen und absichtlich als Letzte den Konferenzraum betrat. Die damit verbundene Symbolik war ihr sehr bewusst und ging auch sonst an niemandem vorbei. Und das leise Murmeln, das Diskussionen zwischen Einzelnen während des Wartens begleitet hatte, wich umgehend gebanntem Schweigen.

„Wo befinden wir uns derzeit?“ eröffnete die Kommandantin ohne Umschweife, nachdem sie Platz genommen hatte. Es war an Varella, die Frage zu beantworten, wofür sie auf den Bildschirm am unbesetzten Kopfende des Tisches eine Karte des Raumgebiets der Tzenkethi aufrief.
„Wir durchfliegen derzeit diesen Sektor.“ Ein kleiner Ausschnitt wurde erst farblich hervorgehoben und anschließend zoomte der Computer heran. „Der Sektor gehört zum ehemaligen Territorium der Tzenkethi Allianz und konkret zur Besatzungszone der Föderation.“
„Gibt es irgendwelche Besonderheiten in diesem Sektor?“ Ihr Blick glitt zu Medeba, der daraufhin einige Eingaben an seinem Terminal erledigte.
„Wir haben ein paar kleinere Nebel, einen Pulsar und mehrere unbedeutende und mehrheitlich unbewohnte Systeme. Es führen keine uns bekannten, relevanten Schiffsrouten hindurch und es gibt keine aufgegebenen Einrichtungen der Föderation.“
„Habe ich die Daten richtig interpretiert, dass nur eine unserer Sonden von einer Borealis-Klasse vernichtet wurde?“
„Das war auch unsere Einschätzung, Captain“, gab diesmal Oliphant die Antwort. „Die übermittelten Daten aller Sonden kurz vor deren Zerstörung lassen auf einen koordinierten Angriff schließen, wobei nur diese eine Sonde auffällig hohe Masse- und Energiewerte aufgezeichnet hat. Bei den anderen scheint es sich um herkömmliche Einheiten gehandelt zu haben.“
Suval nickte bestätigend.
„Nach unserem Wissenstand haben wir es also mit mindestens drei Einheiten der Borealis-Klasse zu tun sowie mit der gesamten Flotte, die zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit der Tzenkethi Konföderation selbiger zur Verfügung stand“, ergänzte Bretano.
„Es stellen sich für uns also etliche Fragen, die beantwortet werden müssen. Die nach der Motivation der Tzenkethi erscheint mir allerdings als die Wichtigste.“ Die Kommandantin blickte in die Runde, um ihre Offiziere zu animieren, Vermutungen anzustellen, obwohl sie selbst bereits eine Theorie hatte.
„Auf einen Krieg gegen alle drei Großmächte können sie nicht aus sein“, meinte Rua vorsichtig. „Selbst wenn sie das Zehnfache der gezeigten Einheiten hätten, könnten sie einer Allianz aus Klingonen, Romulanern und Föderation nicht widerstehen.“
„Warum sollte eine solche Allianz zustande kommen?“ fragte Mancuso herausfordernd und gerade als Rua antworten wollte, unterbrach ihn der Sicherheitschef wieder. „Klingonen mögen zwar ehrenhaft sein, aber sie haben mehr Ähnlichkeiten mit den Tzenkethi als wir. Und wenn ihnen klar werden sollte, was sie mit iconianischer Technologie anfangen können… warum sollten sie sich auf unsere Seite stellen? Ganz zu schweigen von den Romulanern, die zu ihrem eigenen Vorteil auch mal zu Opportunisten werden.“ Nachdenkliches Schweigen folgte, während dem Mancuso ein Detail unangenehm bewusst wurde. „Anwesende natürlich ausgenommen“, ergänzte er schließlich, wobei Suval die Aussage ohnehin nicht persönlich aufgefasst hatte.
„Das würde bedeuten, dass die Tzenkethi eigentlich einen Verbündeten suchen“, fasste Momoa zusammen. „Sie haben gezeigt, was sie haben, und warten jetzt auf das beste Angebot.“
„Ein Angebot, das in der Lage wäre, das dargestellte Potenzial voll auszunutzen – oder zumindest mehr als sie es selbst können“, warf Suval ein. „Und das in der Lage wäre, die fragilen Machtverhältnisse im Alpha- und Beta-Quadranten nachhaltig zu stören.“
„Und dann?“ wollte Barclay wissen und sah sich der auf ihn gerichteten, fragenden Blicke aufgefordert, die Frage zu präzisieren. „Ich meine, abgesehen von Auseinandersetzungen zwischen den Großmächten… die Tzenkethi müssten im Falle einer Allianz, von der sie sich möglicherweise ihre alte Stärke erhoffen, etwas in der Hinterhand haben, das ihnen die Gleichberechtigung in dieser Allianz sichert.“
„Beispielsweise die Kontrolle über ein intergalaktisches Gateway?“ stellte die Kommandantin ihre Vermutung in den Raum, woraufhin kurz Stille herrschte. In diesem Moment fiel ihr Blick auf den kleinen Monitor an ihrem Platz, auf welchem eine eingegangene Nachricht blinkte. Vorerst ging sie jedoch nicht darauf ein, sondern setzte zu einer Erläuterung an. „Wir wissen, dass sich die Iconianer in der gesamten Milchstraße angesiedelt hatten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch im Tzenkethi-Sektor iconianische Technologie gibt, ist also nicht Null.“
„Hätte das während des Krieges und der Besatzungszeit nicht aber auffallen müssen?“ schaltete sich nun auch Medeba in die Unterhaltung ein.
Es war an Momoa, die Realität der Verhältnisse einer Besatzung darzustellen. „Ein so riesiges Gebiet wie den Tzenkethi-Sektor kann man als Besatzungsmacht nicht vollumfänglich abdecken. Und Sie wissen, wie lange das Tor auf unserem Territorium unentdeckt geblieben ist.“ Medebas Farbton verlor daraufhin deutlich an Intensität.
„Aber selbst wenn diese Spinner ein solches Tor haben sollten und es ihnen im schlimmsten Falle zeitweise Nachschub garantiert, würde sich der potenzielle Partner dieses Sahnebonbon auch irgendwann unter den Nagel reißen und die Tzenkethi aus dem Spiel werfen.“
„Da gebe ich Ihnen recht, Chief. Und das ist der Grund, weshalb wir in jedem Fall verhindern müssen, dass Klingonen oder Rihannsu sich diese Technologie aneignen“, entgegnete Suval. Die Föderation würde allein aufgrund des Umstandes, bereits seit mehreren Jahren im Besitz dieser Technologie zu sein, ein Interesse daran maximal heucheln.

„Und wie machen wir das?“ wollte Momoa wissen, da er ahnte, dass seine Vorgesetzte längst eine Strategie hatte.
„Wir werden hier bleiben und Aufklärung betreiben.“ Überraschtes Schweigen schloss sich abermals an. „Ich befürchte, der Zeitfaktor ist maßgebend. Und bis unsere Verstärkung eintrifft, könnte es zu spät sein.“
„Allein schaffen wir das nicht!“ merkte Bretano alarmiert an.
„Wir sind nicht allein.“ In diesem Moment tippte Suval etwas auf der kleinen Konsole ein, woraufhin die Tür aufschwang und Botschafterin Talera nebst ihrem Attaché Dr. Watson den Raum betrat. Wortlos deutete die Kommandantin auf zwei freie Plätze ihr gegenüber.

„Frau Botschafterin, ich habe Sie hierher gebeten, um Sie über den Stand der Dinge sowie unser weiteres Vorgehen zu informieren“, erhob Suval das Wort und erklärte kurz zusammengefasst sowie unter Auslassung der geheimen Details, dass die Tzenkethi nach Ablehnung ihrer Forderungen zum Angriff übergegangen waren und sich alle drei eingeladenen Einheiten nun auf dem Rückzug befanden. Talera nahm dies schweigend zur Kenntnis.
„Ich beabsichtige nun, gemeinsam mit der Tzenkethischlächter und der Syzygy die Situation aufzuklären. Hierfür setzen wir in der Nähe des Pulsars eine Nachrichtenboje ab, die Koordinaten eines Treffpunkts sendet. Medeba, wählen Sie was Hübsches für den Treffpunkt aus, das ein bisschen Deckung bietet.“ Der Sulamide blinzelte daraufhin mit sechs seiner acht Augen. „Geben Sie sich keine Mühe, das Signal zu verstecken. Machen Sie es schön laut und für alle sichtbar. Aber verschlüsseln Sie es mit dem Code 2384 Beta.“
Kurz herrschte nachdenkliche Ruhe über diese merkwürdig erscheinende Anweisung, bevor Oliphant die sich einsetzende Erleuchtung verbalisierte. „Wir wollen die Tzenkethi zu dem Pulsar locken, damit sie die Sonde zerstören. Und die Nachricht selbst werden nur die Klingonen und die Romulaner verstehen, weil sie den Code kennen – die Tzenkethi hingegen nicht.“ Suval nickte bestätigend.
„Und weshalb glauben Sie, Captain, werden die beiden Einheiten dieser „Einladung“ folgen?“ Es war an Talera, diese Frage zu stellen.
„Neugier.“

Ihre weitere Planung sah vor, in einer gemeinsamen Strategie mit den beiden tarnfähigen Einheiten eines der Schiffe der Borealis-Klasse zu stellen, in der Hoffnung, dort weiterführende Informationen zu erlangen. Die Risiken für dieses Vorgehen waren enorm. Es stand zu befürchten, dass die Iowa als einziges Schiff ohne Tarnung den Lockvogel würde spielen müssen. Hinzu kam, dass man den Klingonen und den Rihannsu damit die Möglichkeit eröffnete, ebenfalls an essentielle Informationen zu gelangen, die deren Neugier nur weiter anzustacheln vermochten und einen von beiden – oder gar beide – erst auf die Idee brachte, die Seite zu wechseln. Doch hier würde Suval auf zwei Dinge setzen – dass sie erstens noch etwas bei Garok gut hatte und zweitens Arrhae etwas auf familiäre Bande hielt.

Schlussendlich lief alles auf einen Tanz auf der Rasierklinge hinaus, dessen Details sie ihren Führungsoffizieren mitzuteilen gedachte, sobald Talera den Konferenzraum wieder verlassen hatte.

Zitat
Veröffentlicht : 5. Mai 2019 17:49
Share: