Trinity - #05  

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Chateya
(@chateya)
Admin

SD 2417.203, 15:40 Uhr, Bereitschaftsraum des Captains, USS Iowa

Vor anderthalb Stunden hatte Suval die angeforderte taktische Analyse erhalten.
Diese umfasste neben den aufgezeichneten Daten über die drei iconianischen Schiffe Vergleiche zu den Informationen aus den Datenbanken, welche in der Andromeda Galaxie von der Iowa selbst gesichert worden waren, und von den Studien an zwei baugleichen Schiffen, die weitere Expeditionen nach der Iowa vor Ort gesammelt hatten. Das Fazit bildete eine Empfehlung beider taktischer Offiziere, die sich in Wortlaut und Dringlichkeit nicht von dem unterschied, was Toni Bretano auf der Flucht aus dem Hauptsystem der Tzenkethi bereits formuliert hatte – taktischer Rückzug, Informationsweitergabe, Verstärkung anfordern.

Mit dem ersten Punkt war die Iowa seit fast vier Stunden fortlaufend beschäftigt.

Was die Informationsweitergabe betraf war nach dem ersten Funkspruch – der lediglich die Information beinhaltet hatte, dass die Verhandlungen gescheitert waren und es zum Feindkontakt gekommen war – ein zweiter abgesetzt worden, was jedoch im Zuge dessen, dass sich das Schiff auf der Flucht befand, ein enormes Risiko darstellte. Die Verbindung war trotz Verschlüsselung nicht abhörsicher, bedurfte einer großen Energiemenge und die Nachricht brauchte Zeit – so sie denn überhaupt ankommen würde. Sicherheitshalber waren nur die gesammelten Sensordaten ohne weitere Kommentare geschickt wurden – nichts durfte für jemanden, der unbefugt mithörte, darauf hindeuten, dass die Iowa über den kurzzeitigen und fast fatalen Kontakt hinaus wusste, womit sie es zu tun hatte. Hinzu kam, dass das Absenden der Nachricht sich mit dem Einschalten einer Taschenlampe mitten in einem dunklen Raum vergleichen ließ – es brachte zwar kurz Licht ins Dunkle, aber man verriet auch, wo man sich aufhielt.

Beim Thema Verstärkung war aus Suvals Sicht die Empfehlung mit der Realität nicht vereinbar, weshalb sie eine Entscheidung getroffen hatte, die ihr als Individuum nicht gefiel, aber ihrer Verantwortung als Offizier der Sternenflotte entsprach. Darüber gedachte sie nun ihre Führungsoffiziere zu unterrichten, während der Computer damit begann, auf ihre Anweisung hin das Logbuch des Schiffes zu sichern.

SD 2417.203, 15:45 Uhr, Konferenzraum der USS Iowa

Die Anwesenden warteten bereits seit einigen Minuten, als Suval entschlossen und absichtlich als Letzte den Konferenzraum betrat. Die damit verbundene Symbolik war ihr sehr bewusst und ging auch sonst an niemandem vorbei. Und das leise Murmeln, das Diskussionen zwischen Einzelnen während des Wartens begleitet hatte, wich umgehend gebanntem Schweigen.

„Wo befinden wir uns derzeit?“ eröffnete die Kommandantin ohne Umschweife, nachdem sie Platz genommen hatte. Es war an Varella, die Frage zu beantworten, wofür sie auf den Bildschirm am unbesetzten Kopfende des Tisches eine Karte des Raumgebiets der Tzenkethi aufrief.
„Wir durchfliegen derzeit diesen Sektor.“ Ein kleiner Ausschnitt wurde erst farblich hervorgehoben und anschließend zoomte der Computer heran. „Der Sektor gehört zum ehemaligen Territorium der Tzenkethi Allianz und konkret zur Besatzungszone der Föderation.“
„Gibt es irgendwelche Besonderheiten in diesem Sektor?“ Ihr Blick glitt zu Medeba, der daraufhin einige Eingaben an seinem Terminal erledigte.
„Wir haben ein paar kleinere Nebel, einen Pulsar und mehrere unbedeutende und mehrheitlich unbewohnte Systeme. Es führen keine uns bekannten, relevanten Schiffsrouten hindurch und es gibt keine aufgegebenen Einrichtungen der Föderation.“
„Habe ich die Daten richtig interpretiert, dass nur eine unserer Sonden von einer Borealis-Klasse vernichtet wurde?“
„Das war auch unsere Einschätzung, Captain“, gab diesmal Oliphant die Antwort. „Die übermittelten Daten aller Sonden kurz vor deren Zerstörung lassen auf einen koordinierten Angriff schließen, wobei nur diese eine Sonde auffällig hohe Masse- und Energiewerte aufgezeichnet hat. Bei den anderen scheint es sich um herkömmliche Einheiten gehandelt zu haben.“
Suval nickte bestätigend.
„Nach unserem Wissenstand haben wir es also mit mindestens drei Einheiten der Borealis-Klasse zu tun sowie mit der gesamten Flotte, die zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit der Tzenkethi Konföderation selbiger zur Verfügung stand“, ergänzte Bretano.
„Es stellen sich für uns also etliche Fragen, die beantwortet werden müssen. Die nach der Motivation der Tzenkethi erscheint mir allerdings als die Wichtigste.“ Die Kommandantin blickte in die Runde, um ihre Offiziere zu animieren, Vermutungen anzustellen, obwohl sie selbst bereits eine Theorie hatte.
„Auf einen Krieg gegen alle drei Großmächte können sie nicht aus sein“, meinte Rua vorsichtig. „Selbst wenn sie das Zehnfache der gezeigten Einheiten hätten, könnten sie einer Allianz aus Klingonen, Romulanern und Föderation nicht widerstehen.“
„Warum sollte eine solche Allianz zustande kommen?“ fragte Mancuso herausfordernd und gerade als Rua antworten wollte, unterbrach ihn der Sicherheitschef wieder. „Klingonen mögen zwar ehrenhaft sein, aber sie haben mehr Ähnlichkeiten mit den Tzenkethi als wir. Und wenn ihnen klar werden sollte, was sie mit iconianischer Technologie anfangen können… warum sollten sie sich auf unsere Seite stellen? Ganz zu schweigen von den Romulanern, die zu ihrem eigenen Vorteil auch mal zu Opportunisten werden.“ Nachdenkliches Schweigen folgte, während dem Mancuso ein Detail unangenehm bewusst wurde. „Anwesende natürlich ausgenommen“, ergänzte er schließlich, wobei Suval die Aussage ohnehin nicht persönlich aufgefasst hatte.
„Das würde bedeuten, dass die Tzenkethi eigentlich einen Verbündeten suchen“, fasste Momoa zusammen. „Sie haben gezeigt, was sie haben, und warten jetzt auf das beste Angebot.“
„Ein Angebot, das in der Lage wäre, das dargestellte Potenzial voll auszunutzen – oder zumindest mehr als sie es selbst können“, warf Suval ein. „Und das in der Lage wäre, die fragilen Machtverhältnisse im Alpha- und Beta-Quadranten nachhaltig zu stören.“
„Und dann?“ wollte Barclay wissen und sah sich der auf ihn gerichteten, fragenden Blicke aufgefordert, die Frage zu präzisieren. „Ich meine, abgesehen von Auseinandersetzungen zwischen den Großmächten… die Tzenkethi müssten im Falle einer Allianz, von der sie sich möglicherweise ihre alte Stärke erhoffen, etwas in der Hinterhand haben, das ihnen die Gleichberechtigung in dieser Allianz sichert.“
„Beispielsweise die Kontrolle über ein intergalaktisches Gateway?“ stellte die Kommandantin ihre Vermutung in den Raum, woraufhin kurz Stille herrschte. In diesem Moment fiel ihr Blick auf den kleinen Monitor an ihrem Platz, auf welchem eine eingegangene Nachricht blinkte. Vorerst ging sie jedoch nicht darauf ein, sondern setzte zu einer Erläuterung an. „Wir wissen, dass sich die Iconianer in der gesamten Milchstraße angesiedelt hatten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch im Tzenkethi-Sektor iconianische Technologie gibt, ist also nicht Null.“
„Hätte das während des Krieges und der Besatzungszeit nicht aber auffallen müssen?“ schaltete sich nun auch Medeba in die Unterhaltung ein.
Es war an Momoa, die Realität der Verhältnisse einer Besatzung darzustellen. „Ein so riesiges Gebiet wie den Tzenkethi-Sektor kann man als Besatzungsmacht nicht vollumfänglich abdecken. Und Sie wissen, wie lange das Tor auf unserem Territorium unentdeckt geblieben ist.“ Medebas Farbton verlor daraufhin deutlich an Intensität.
„Aber selbst wenn diese Spinner ein solches Tor haben sollten und es ihnen im schlimmsten Falle zeitweise Nachschub garantiert, würde sich der potenzielle Partner dieses Sahnebonbon auch irgendwann unter den Nagel reißen und die Tzenkethi aus dem Spiel werfen.“
„Da gebe ich Ihnen recht, Chief. Und das ist der Grund, weshalb wir in jedem Fall verhindern müssen, dass Klingonen oder Rihannsu sich diese Technologie aneignen“, entgegnete Suval. Die Föderation würde allein aufgrund des Umstandes, bereits seit mehreren Jahren im Besitz dieser Technologie zu sein, ein Interesse daran maximal heucheln.

„Und wie machen wir das?“ wollte Momoa wissen, da er ahnte, dass seine Vorgesetzte längst eine Strategie hatte.
„Wir werden hier bleiben und Aufklärung betreiben.“ Überraschtes Schweigen schloss sich abermals an. „Ich befürchte, der Zeitfaktor ist maßgebend. Und bis unsere Verstärkung eintrifft, könnte es zu spät sein.“
„Allein schaffen wir das nicht!“ merkte Bretano alarmiert an.
„Wir sind nicht allein.“ In diesem Moment tippte Suval etwas auf der kleinen Konsole ein, woraufhin die Tür aufschwang und Botschafterin Talera nebst ihrem Attaché Dr. Watson den Raum betrat. Wortlos deutete die Kommandantin auf zwei freie Plätze ihr gegenüber.

„Frau Botschafterin, ich habe Sie hierher gebeten, um Sie über den Stand der Dinge sowie unser weiteres Vorgehen zu informieren“, erhob Suval das Wort und erklärte kurz zusammengefasst sowie unter Auslassung der geheimen Details, dass die Tzenkethi nach Ablehnung ihrer Forderungen zum Angriff übergegangen waren und sich alle drei eingeladenen Einheiten nun auf dem Rückzug befanden. Talera nahm dies schweigend zur Kenntnis.
„Ich beabsichtige nun, gemeinsam mit der Tzenkethischlächter und der Syzygy die Situation aufzuklären. Hierfür setzen wir in der Nähe des Pulsars eine Nachrichtenboje ab, die Koordinaten eines Treffpunkts sendet. Medeba, wählen Sie was Hübsches für den Treffpunkt aus, das ein bisschen Deckung bietet.“ Der Sulamide blinzelte daraufhin mit sechs seiner acht Augen. „Geben Sie sich keine Mühe, das Signal zu verstecken. Machen Sie es schön laut und für alle sichtbar. Aber verschlüsseln Sie es mit dem Code 2384 Beta.“
Kurz herrschte nachdenkliche Ruhe über diese merkwürdig erscheinende Anweisung, bevor Oliphant die sich einsetzende Erleuchtung verbalisierte. „Wir wollen die Tzenkethi zu dem Pulsar locken, damit sie die Sonde zerstören. Und die Nachricht selbst werden nur die Klingonen und die Romulaner verstehen, weil sie den Code kennen – die Tzenkethi hingegen nicht.“ Suval nickte bestätigend.
„Und weshalb glauben Sie, Captain, werden die beiden Einheiten dieser „Einladung“ folgen?“ Es war an Talera, diese Frage zu stellen.
„Neugier.“

Ihre weitere Planung sah vor, in einer gemeinsamen Strategie mit den beiden tarnfähigen Einheiten eines der Schiffe der Borealis-Klasse zu stellen, in der Hoffnung, dort weiterführende Informationen zu erlangen. Die Risiken für dieses Vorgehen waren enorm. Es stand zu befürchten, dass die Iowa als einziges Schiff ohne Tarnung den Lockvogel würde spielen müssen. Hinzu kam, dass man den Klingonen und den Rihannsu damit die Möglichkeit eröffnete, ebenfalls an essentielle Informationen zu gelangen, die deren Neugier nur weiter anzustacheln vermochten und einen von beiden – oder gar beide – erst auf die Idee brachte, die Seite zu wechseln. Doch hier würde Suval auf zwei Dinge setzen – dass sie erstens noch etwas bei Garok gut hatte und zweitens Arrhae etwas auf familiäre Bande hielt.

Schlussendlich lief alles auf einen Tanz auf der Rasierklinge hinaus, dessen Details sie ihren Führungsoffizieren mitzuteilen gedachte, sobald Talera den Konferenzraum wieder verlassen hatte.

Zitat
Veröffentlicht : 5. Mai 2019 17:49
Scipio
(@micha)
Admin

SD 2417.203, 23:17 Uhr, USS Iowa, Sicherheitsbüro

 

Der Diensthabende hatte einen kurzen Blick in das Büro geworfen, dass er eigentlich übernehmen sollte. Doch ein kurzes Knurren des Master Chiefs vertrieb ihn erst an den Replikator und dann mit einer Tasse Kaffee in der Hand an einen Schreibtische im vorderen Bereich. Diskussionen waren unnötig.

 

Nach der Besprechung der Offiziere und des Botschaftspersonals hatte sich Mancuso hier „eingegraben“, war Bestandslisten durchgegangen, hatte bei Unstimmigkeiten irgendjemanden angeschrien und schlussendlich ein Gewehr genommen und auf dem Holodeck Frust abgebaut, bevor er wieder sein Büro besetzte.

Die gesamte Situation gefiel ihm einfach nicht. Zu viele Unwägbarkeiten, zu viele unterschiedliche Interessenslagen auf Seiten der Klingonen und Romulaner. Zum Teufel mit denen! Aus denen wurde man einfach nicht schlau, und wenn man ansatzweise die Hoffnung hatte zu begreifen, was zwischen den Spitzohren vorging, wurde man wieder überrascht. Der Captain war offenbar soweit in der Föderation sozialisiert, dass sie berechenbarer geworden war. Aber die Idee, auf ein Bündnis mit Garok und t’Riurren zu setzen, mit dem Ziel, beide am Ende gegeneinander auszuspielen… herrje!

 

„Sollten Sie nicht schon lange Feierabend haben, Mancuso?“

Automatisch erhob sich der Sicherheitschef, konnte einen Salut verhindern und grüßte stattdessen mit einem Nicken. „Kaffee, Captain?“

Mit einem Kopfschütteln lehnte sie ab, setzte sich aber auf einen der Bürostühle. Mancuso nahm dies als Anlass, sich einen frischen Kaffee zu replizieren und ebenfalls zu setzen.

„Worüber denken Sie nach, Chief?“ – „Über dumme Ideen und schlechtes Timing, Ma’am.“

Er hielt ihrem fragenden Blick stand, auch wenn es schwer fiel. Wenn Sie es wissen wollte, musste sie fragen.

„Ich habe ebenfalls an einer Aufstellung unserer internen Verteidigung gearbeitet. Ich sehe es als potentielles Problem an, wenn Klingonen und Romulaner mit uns gemeinsame Sache machen sollen. Gäste – welcher Art auch immer – möchte ich gebührend begrüßen können.“ – „Das ist Ihr Job, Chief. Deswegen bezahle ich Sie.“ – „Und was tun Sie hier? Inspektion der Decks vor der Schlacht?“ – „Ich denke nicht, nein. Zumindest weiß ich nichts von einer Schlacht.“ – „Bisher. Die Tzenkethi werden eine Menge riskieren, um uns zu erledigen.“ – „So sieht es aus.“ – „Scheint etwas Persönliches zu sein.“ Mancuso nippte an seinem Kaffee und behielt Suval im Auge. Keine Reaktion, natürlich.

„Es hat etwas befreiendes, dem richtigen aufs Maul zu hauen“, stellte er fest. „Oder der Richtigten.“ – „Ihre Personalakte zeigt, dass es nicht unbedingt richtig ist und nicht immer den Verbleib in Freiheit zur Folge hat.“ – „Sie wissen, was ich meine.“

Suval musterte Mancuso. Sie hatten sich gegenseitig in einigen der dunkelsten Stunden erlebt. Und gerettet. Er hatte sich den Ruf erworben, der Typ fürs Grobe zu sein.

„Lassen Sie die Hunde los“, murmelte sie. – „Bitte?“ – „Nichts weiter. Gute Nacht.“ Suval erhob sich.

„Gute Nacht, Captain.“ Mancuso nippte noch einmal am Kaffee. „Und sperren Sie es ein. Aber merken Sie sich, wo der Schlüssel ist. Manchmal brauchen wir es.“

Suval drehte sich um schaute Mancuso an. „Was brauchen wir?“ – „Das Tier. Das Monster. Wie immer Sie es nennen. Ich habe Ihren Blick gesehen, unten, im Bunker. Das waren alles Arschlöcher und sind meiner Meinung nach viel zu gut weggekommen. Wirklich nervig sind aber nicht die Flecken aus Blut und Hirnmasse auf der Uniform, sondern auf der Seele. Aber das passiert manchmal, wenn man den Müll nach draußen bringt.“

 

Beteiligte Charaktere: Suval

 

 

SD 2417.204, 05:55 Uhr, USS Iowa, Brücke

 

Vor etwas weniger als sechs Stunden hatte die Iowa eine speziell strukturell verstärkte Sonde in der – relativen – Nähe des Pulsars ausgesetzt. Varella hatte einen Kurs programmiert, der die Sonde nach einem Sensorkontakt mit einem Schiff weiter in die tückischen Gravitationsfelder und Magnetschleifen manövrieren sollte. Jedes Tzenkethi-Schiff, einschließlich der Borealis-Klassen, würde erhebliche Schwierigkeiten haben, an die Sonde heranzukommen.

Es war Bretanos Einfall gewesen, die Sonde nicht einfach zu vernichten, sondern in eine Falle zu verwandeln. Sie würde die Energiesignatur des einzigen Sternenflottenschiffes im Sektor imitieren und so eine attraktive Beute darstellen. Die gestörten Sensoren würden es den Tzenkethi zusätzlich schwer machen, das Ziel überhaupt als Sonde zu erkennen und zu identifizieren. Sollte der Kommandant des Schiffes dann besonders gefrustet sein und seine Waffen in diesem Wirrwarr aus Magnetismus, Strahlungsfeldern jeder Art und gravimetrischen Verzerrungen abzufeuern… wer weiß? Chaotische Ereignisse lassen sich nicht vorhersagen…

 

Die Iowa hingegen war sofort auf den neuen Kurs gegangen. Die Entscheidung für den Treffpunkt war auf einen sehr alten weißen Zwerg gefallen. Diese stellare Leiche eines F-Sterns, der zu klein war, ein Pulsar oder gar ein schwarzes Loch zu werden, war bereits vor Milliarden Jahren langweilig geworden. Die Explosion hatte die stellare Atmosphäre weggeblasen und die Planeten steril gekocht. Die Entstehung von Eisen im solaren Kern hatte die Fusionsreaktion abrupt gestoppt, sodass nur noch alte Hitze langsam ins All abgegeben wurde. Sehr langsam, da die Wärme, nachdem sie sich durch eine tausende Kilometer starke Zwiebel aus Schalen unterschiedlichster Elemente gekämpft hatte (innen Eisen, außen Kohlenstoff), nun ins mediumfreie All strahlte. Der Wärmetransport war somit gering und es mochten weitere Milliarden Jahre vergehen bis der weiße Zwerg ein kalter, riesiger, verunreinigter Diamant werden würde.

Die Oort-Wolke hatte das astronomische Desaster unbeeindruckt überstanden. Möglicherweise war es noch ein wenig kälter und dunkler geworden als es sowieso schon war. Aber es würde mit Sicherheit genügend Objekte geben, hinter denen – oder gar in denen – sich die Akira-Klasse würde verstecken können. Bis die beiden anderen Schiffe auftauchen würden. Und dann… Prinzipien der Chaostheorie galten insbesondere in der Politik.

 

„Die Sonde hat ihre Übertragung begonnen, Captain. Auf den Sensoren leuchtet sie wie ein Weihnachtsbaum“, meldete Toni Bretano mit einem Hauch von Stolz. „Wir erwarten die Tzenkethi frühestens in dreizehn Stunden an der Sonde. Überhört werden kann die Nachricht aber nicht.“

„Wann erreichen wir den weißen Zwerg?“ fragte Commander Momoa.

„Drei Stunden, Sir“, meldete Varella.

„Planen Sie einen Kurs zum Verlegen der Sensorplattformen. Ich möchte nicht überrascht werden…“ – „Aye, Sir.“ – „Medeba, wie weit sind Sie und Mister Rua mit der Konfiguration?“ – „Fertig, Sir. Wir haben es geschafft, die einzelnen Sonden inklusive Antrieb in einen Würfel mit zwanzig Zentimeter Kantenlänge zu pressen. Neun davon setzen wir auf einmal aus und lassen sie sich dann von den Jägern verteilen. Mehr als ein Achtel Impuls ist nicht drin, aber damit gelingt es uns, das System und ein halbes LichtjahrUmkreis in zehn Stunden lückenlos zu überwachen.“

Suval erhob sich. „Wann ist mit der Ankunft der Tzenkethi-Schlächter und der Syzygy zu rechnen?“

„Schwer zu sagen, Ma’am“, antwortete Varella. „Da wir ihren Aufenthaltsort nicht kennen, wenn sie die Nachricht empfangen… günstigenfalls sind sie schon da, schlechtesten falls benötigen Sie dreißig Stunden.“ – „Wenn Sie überhaupt vorbeikommen“, murmelte Momoa. – „Denken Sie positiv, Commander.“ – „Verstanden, Ma’am.“

 

Beteiligte Charaktere: Brückencrew

 

SD 2417.204, 09:02 Uhr, USS Iowa, astrometrisches Labor

 

Die Iowa war gerade mit hoher Warpgeschwindigkeit an der äußeren Grenze des toten Systems in eine kreisförmige Umlaufbahn über den gedachten Nordpol gegangen. An gewissen Punkten würden jeweils vier Jäger (jeweils zwei in der östlichen und westlichen Hemisphäre) ausgesetzt. Diese würden wiederum an bestimmten Punkten die großen Würfel  absetzen, welche sich nach Erreichen einer Position in neun kleinere Würfel aufteilen würden, welche schlussendlich die Überwachung des Systems ermöglichen würden. Es würde noch einmal zwei Stunden dauern, das Manöver abzuschließen und die Jäger auf den Rückweg über den „Südpol“ wieder einzusammeln.

 

Medeba, Varella, Bretano und Colclough hatten gemeinsam das Manöver geplant, die Kurspunkte gesetzt und den Flugplan aufgestellt. Jetzt begann die Phase des Wartens…

 

 

Beteiligte Charaktere: Varella, Bretano, Colclough

 

 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 24. Juli 2019 12:23
Nero
 Nero
(@bertie)
Vereinsmitglieder

SD 2417.204, 06:00 Uhr, USS Iowa, Quartier von Dr. Lorek

„Es ist 6 Uhr.“ tönte die Computerstimme ohne weitere Alarmgeräusche. Lorek brauchte nicht mehr, um aus dem wenigen seichten Schlaf, den er neben seiner Meditation benötigte, aufzuwachen. Kerzengerade lag er, ohne eine Bettdecke zu bedürfen auf der harten Matratze. Die Augen geöffnet starrte er an die kahle, graue Decke seines Quartiers. Aus dem Augenwinkel heraus sah er aus dem einzigen Fenster seines Quartiers hinaus die Sterne in feinen Streifen vorbeiziehen. Das Schiff war noch immer – oder schon wieder – mit Warp-Geschwindigkeit unterwegs. Es berührte ihn kaum.

Er schwang seine Beine aus dem Bett und blieb einen Moment auf der Bettkante sitzen, das Fenster nun ignorierend und seine Konzentration wiederfindend. Diese dauernden Ablenkungen wiederfuhren ihm nun immer häufiger. Er schloss eine Zeitlang seine Augen, atmete gleichmäßig ein und aus. „Es ist 6 Uhr und 30 Minuten.“ erinnerte nun der Computer. Erschrocken fuhr Lorek auf. Inmitten der Meditation war er leicht dahingesunken und schließlich erneut in den Schlaf gefallen. Auch das passierte ihm in letzter Zeit hin und wieder.

„Licht. Niedrigste Stufe.“ erbat Lorek und ein gelbes Glimmen erhellte das Quartier minimal, sodass für den Vulkanier mühelos die Umrisse, mehr jedoch nicht, zu erkennen waren.

Das Briefing der Führungsoffiziere war unmissverständlich. Die USS Iowa sah sich der wohl größten Gefahr ausgesetzt, seitdem er sich an Bord des Schiffes befand. Wohlmöglich stand ihnen ein Kampf mit zahlenmäßig überlegenen Gegnern bevor, die dieses Schiff und alle Lebewesen an Bord nur noch brennen sehen wollten. Auf der Krankenstation war dieses Szenario vorzubereiten. Es musste das Personal entsprechend des Alarmplans eingeteilt, Reservebetten vorbereitet und Unmengen an Blutprodukten synthetisiert werden. Es kostet Lorek erhebliche Disziplin und Energie, die aufkeimenden Emotionen aus Angst und Verachtung gegenüber dieser Situation unter Kontrolle zu behalten. Es widerte ihn an, Arzt für ein Feldlazarett an Rande eines Krieges zu sein. Der Zustand, in dem Suval vom Planeten zurückgebracht worden war, ließ ihn erschaudern und stellte ihn vor eine ungeahnte Herausforderung. Ekel, Zorn, Rachegelüste, Angst, Trauer… es waren so viele Emotionen, die aus einem tiefen Verließ an die Oberfläche stießen, dass es ihn fast bewältigt hätte. Home hatte schließlich Suvals Behandlung übernommen und Lorek unbeobachtet ein Beruhigungsmittel eingenommen und sich zur Meditation zurückgezogen. Der Abstand, den Lorek seitdem zu Suval hielt, verbesserte die Lage etwas. Trotzdem beschäftigte ihn diese Reaktion. War es möglich, dass er in den letzten Jahren eine so starke Bindung zu Suval aufgebaut hatte, dass ihn diese Ereignisse emotional zu kompromittieren fähig waren?

Nachdem er aus dem Zweiteiler vulkanischer Leinen geschlüpft war, betrachtete er lange und eingehend die schattigen Silhouetten im Spiegel. Er war dünn geworden. Die Rippen und Oberschenkelknochen zeichneten sich deutlich unter der Haut ab, die in einem helleren Licht blass-grün geschimmert hätte. Die Wangen wirkten eingefallen, die Augenhöhlen tief und die Finger hatten etwas spinnenartiges. Erst bei dem Anblick fiel ihm auf, dass er in den letzten Tagen kaum etwas zu sich genommen hatte. Auch jetzt verspürte er keinerlei Hungergefühl. Seine Gedanken abschüttelnd legte er die Uniform an und ließ den Computer die Beleuchtung hochfahren. Im Badezimmer rasierte er sich zügig und trotzdem sorgfältig.

„Tarkaleanischer Tee, heiß.“ erbat sich Lorek und nahm sich die Tasse kurz darauf aus dem surrenden Replikator. Er setzte sich an seinen kleinen Schreibtisch und rief die aktuellen Berichte aus der Krankenstation auf. Doch auch beim Überfliegen dieser Einträge und Vitalwerte schweifte sein Geist bereits wieder ab. Er fragte sich, wie hoch wohl das Risiko war, dass die Iowa zerstört werden würde. Was, wenn dieser Kampf ihr letzter sein sollte? Wenn dies, seine letzte Mission wäre? Er würde nicht zurückkehren und dies hier, diese Tasse tarkaleanischen Tees wäre sein letztes Getränk im Leben? Er hatte die letzten Wochen auf Vulkan genossen und musste so abrupt zum Raumdock aufbrechen. Der Abschied von Te Kaahurangi fiel so kurz aus. Was, wenn er sie nicht wiedersehen würde. Die viele Arbeit und die Reisen der letzten Jahre hatten ihr schwer zugesetzt. Im letzten Jahr hatte sie eine neue Leber und eine neue Lunge erhalten. Seit einiger Zeit benötigte sie tägliche Injektionen zur Verdauung. Der körperliche Verfall seiner menschlichen Frau war nicht mehr zu übersehen. Er hatte sich bereits mit dem Gedanken abgefunden, sie in vorhersehbarer Zeit zu Grabe zu tragen. Doch nun, so dachte er, würde er ihr wohl doch zuvorkommen. Er würde seine alte Frau zur Witwe machen, sie auf ihre letzten Tage zwingen, am Ehrenbegräbnis der Besatzung der Iowa teilzunehmen.

Plötzlich erschrak er und fuhr hoch. Er hatte die ganze Zeit die Tasse Tee in der Hand gehalten und sich einen kleinen Schluck der heißen Flüssigkeit über den Schoß gekippt. Erschrocken über sich selbst stellte er die Tasse zur Seite, wechselte die Hose und injizierte sich eine Standarddosis Rexlin. Seine Muskeln entspannten sich sofort, das verspannte Gesicht wurde locker und ebenso emotionslos. Es gelang ihm tief durchzuatmen. Nun wurde es Zeit, die Krankenstation aufzusuchen und für den Kampf vorzubereiten.

 

Beteiligte Charaktere: Suval, Home

 

SD 2417.204, 11:23 Uhr, USS Iowa, Brücke

Sechsunddreißig kleine Sonden hatten Rua und er innerhalb einer Rekordzeit mit mehr Sensortechnik versehen, als die üblichen Multispektral-Sonden der Sternenflotte es jemals geboten hätten. Dazu kamen die relevante Zusammenfassung und Abwurfvorrichtung, die Matthew glücklicherweise bereits für andere Anforderungen entworfen und daher als Ass im Ärmel hatte. Sie waren gewohnt unausführbare Befehle zu erhalten. Sowohl hinsichtlich der zeitlichen als auch der technischen Machbarkeit. Und sie waren es gewohnt, ihre Kommandantin nicht zu enttäuschen und es doch immer wieder irgendwie zu schaffen. Das irgendwie machte sich nicht selten bemerkbar. Gerade in so riskanten Situationen wie dieser, wurde daraus ein unberechenbarer Faktor aus Unsicherheit und Unverlässlichkeit. Die Jäger hatten unerwartete Probleme beim Absetzen der Sonden gemeldet, sodass Medeba und Varella aus dem astrometrischen Labor neue Sensorpunkte definieren mussten. Diese Änderung hatte Nate schließlich wieder in die Zusammenarbeit der Sonden untereinander einzuberechnen.

„Commander, wir empfangen die ersten telemetrischen Daten.“ meldete Nate kurz nachdem die OPS-Konsole aufgeheult hatte. Das gesponnene Sensornetzwerk war positioniert, untereinander verbunden und lieferte die gewünschten Informationen. Anderthalb Stunden später, aber scheinbar ohne Lücken und genau so, wie es sich Captain Suval gewünscht hatte.

Momoa erhob sich aus dem Sitz des Kommandanten und traf sich mit den beiden taktischen Offizieren im hinteren Bereich der Brücke. „Taktische Darstellung Mister Badu.“

„Ich transferiere die Daten an die taktische Konsole.“ antwortete er, drückte wenige Button, die seinen Befehl mit einem fiesen Quicken negierten. Solche Computergeräusche wussten alle Offiziere nur zu gut zu interpretieren. Momoa schaute von der Taktischen Station zu Badu. „Gibt es Probleme?“

„Es gelingt mir nicht, die eingehenden Daten für die taktische Darstellung umzurechnen, Sir. Es sind zu viele ungefilterte neue Informationen. Wir haben über dieses Gebiet kaum vorliegende ältere Sensordaten zum Vergleich.“

„Momoa an astrometrisches Labor.“

„Medeba hier.“ gluckste es durch die Kommunikationsverbindung.

„Commander, gelingt es Ihnen die Sensordaten für die Taktik aufzuarbeiten?“

„Das sollte kein Problem sein, Sir.“

„Wie lange werden Sie dafür benötigen?“ wollte Momoa wissen, die Arme vor der Brust verschränkt.

„15, maximal 20 Minuten, Sir.“ antwortete Medeba und Momoa nickte, wohlwissentlich, dass der Sulamide diese Reaktion nicht wahrnehmen würde. „Danke Commander. Machen Sie’s so!“ und kappte die Verbindung.

„Nate, wieviel Zeit ist vergangen, seitdem wir das Locksignal ausgesetzt haben?“ wollte Bretano wissen. Der auf der OPS kontinuierlich laufende Timer verriet es auf einen Blick.

„Fünf Stunden und 19 Minuten.“

Momoa und die beiden taktischen Offiziere würdigten sich gegenseitig mit einem Blick voller Unbehagen. Niemand wusste, wann die Rihannsu und Klingonen hier auftauchen würden und diese drei Soldaten waren die letzten, die das unvorbereitet erleben wollten.

„Commander, es gebe vielleicht noch eine andere Möglichkeit.“ schlug Nate vor. Momoa, der bis eben noch auf die bisher wenig hilfreiche taktische Konsole gestarrt hatte, hob seinen Kopf und sah den Einsatzoffizier fragend an, der dies als Aufforderung wertete, weiter zu reden.

„Wir haben zwar unsere Kommunikationssonden verloren. Das neue Sonden-Netzwerk ließe sich aber problemlos als Verstärker nutzen. Ein gerichteter Datenstrom über den Hauptdeflektor könnte so über das Netzwerk zusätzlich gebündelt werden und mit Überlichtgeschwindigkeit weitergeleitet werden.“ erklärte Nate.

„Wieviel Kapazität würde das von unseren Systemen abziehen?“ wollte Momoa wissen. Der Hund, dachte sich Nate. Immer auf Nummer sicher gehen. Er könnte gleich fragen, ob die Defensivsysteme der Iowa darunter leiden. Nur das interessiert ihn doch.

„Von der Umkehr des Deflektors, der Bündelung und der vollständigen Übertragung einer kurzen Wortnachricht und unserer genauen Lokalisation vergehen etwa eine Minute und 30 Sekunden, in denen wir quasi blind wären.“ musste Nate zugeben. Doch das war nicht alles, was er als Idee im Kopf hatte und setzte, quasi seinen Vorschlag untermauernd hinzu: „Von unserer aktuellen Position aus könnte diese Nachricht in weniger als 15 Minuten die Sternenbasis 383 erreichen. Die 15. Flotte könnte in nicht einmal dreißig Stunden hier sein. Damit wären wir zahlenmäßig und an Feuerkraft weit überlegen.“

Er hatte schon seit dem Briefing mit dem Captain über diese Idee nachgedacht und nicht verstanden, warum Suval diese Option nicht in Betracht zog. Die Iowa ließ sich in diesem Raum gut verstecken und die 15. Flotte bestand neben beachtlich ausgerüsteten Sternenflottenschiffen auch aus einer klingonischen Armada zur Absicherung der Breen-Grenze.

„Lieutenant-Commander Badu,“ begann Momoa förmlich „noch mehr klingonische Schiffe sind das Letzte, was wir jetzt gebrauchen können. Sie haben den Captain gehört.“

„Sir, wir könnten doch wenigstens…“ wollte Nate sich noch rechtfertigen als seine Konsole sirenenhaft aufheulte. „Eine Tachyonquelle aus Position 182 Punkt 12.“ meldete Nate. „Ein Schiff enttarnt sich.“

„Captain auf die Brücke.“ rief Momoa in den Kommunikator und schritt schnellen Schrittes zurück zu seinem Platz.

 

Beteiligte Charaktere: Brückencrew, Medeba/Barclay

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Cmdr. Terry Flatcher
SL USS Vanguard
Spieler USS Iowa

AntwortZitat
Veröffentlicht : 21. August 2019 12:02
Chateya
(@chateya)
Admin

SD 2417.204, 11:30 Uhr, Tactical Information Center der USS Iowa

Die erste Hälfte der Nacht hatte sie in ihrem Quartier zugebracht. Nach ihrem Gespräch mit Mancuso war sie mit der Absicht dorthin gegangen, etwas Schlaf zu finden. Doch als Gute-Nacht-Geschichte hatte der Inhalt des Gesprächs nicht getaugt, ganz im Gegenteil. Der alte Soldat hatte ihr schmerzlich in Erinnerung gerufen, dass all ihre Mühen der vergangenen Jahrzehnte – das mentale Training, die Selbstkontrolle – nur dazu dienten, das wahre Ich zu verstecken. Es einzuschließen, wie er gesagt hatte. Doch wenn es notwendig wurde, brach es hervor – oder wurde heraus gelassen, weil es vielleicht die letzte Lösung sein konnte. Der Mantel der Zivilisation war halt dünn. Die essentielle Frage war nur, inwiefern das wahre Ich, das Tier in ihnen, dabei würde helfen können, die gegenwärtige Situation zu meistern…

Über diesen Gedanken war sie letztlich doch eingeschlafen. Doch es war kein erholsamer Schlaf, es war mehr ein Dösen, ein wiederholtes Wegnicken, während dem das Unterbewusstsein auf der Suche nach Puzzleteilen für das Gesamtbild war – und immer dann, wenn es eines gefunden hatte, schreckte sie auf und blickte beunruhigt in die Dunkelheit ihres Quartiers.

Nach vier Stunden dieses unbefriedigenden Zustandes hatte es ihr gereicht. Enerviert davon, keinen anständigen Schlaf zu finden, hatte sie sich für den Rest der Nacht ins taktische Lagezentrum der Iowa begeben, um dort eine Erfolg versprechende Strategie zu entwickeln.
Seitdem hielt sie sich dort auf – lediglich unterbrochen von einem kurzen Intermezzo auf der Brücke zu Schichtbeginn – anfangs allein, doch seit vier Stunden unterstützt von Alan Oliphant. Gemeinsam mit dem jungen Menschen hatte sie alle zur Verfügung stehenden Informationen über die Borealis-Klasse gesichtet – sowohl jene aus der Andromeda-Galaxie als auch jene erst gestern gesammelten.

Die Schiffe waren alt, darüber konnte selbst die Tatsache nicht hinweg täuschen, dass es sich um die reinsten Massenvernichtungswaffen mit Antrieb handelte. Und sie waren Jahrtausende lang nicht gewartet worden – das setzt selbst der besten Technik irgendwann zu.
Diese beiden Fakten, verbunden mit der desolaten Gesamtsituation der Tzenkethi und ihrer begrenzten technischen Möglichkeiten, bildeten einen Pfeiler einer sinnvollen Strategie.
Ein weiterer Pfeiler war der Umstand, dass auch nur ein Schuss, der nicht mal ein Volltreffer sein musste, zum Totalverlust der Iowa führen würde. Das klingonische oder das rihannische Schiff hatte vielleicht geringfügig bessere Chancen, aber schwerste Schäden waren in jedem Fall garantiert.
Und dann kamen all die Variablen ins Spiel.
Würden die Tzenkethi damit rechnen, dass die drei stets uneinigen bis zerstrittenen Großmächte gemeinsame Sache machen würden – wie sie es schon einmal getan hatten im Kampf gegen die Tzenkethi?
Würden sie annehmen, dass man ihnen mit nur diesen drei Schiffen gegenüber trat oder das Risiko einging, Verstärkung herbei zu rufen?
Und gab es nur diese drei Schiffe der Borealis-Klasse?
Diese und etliche weitere Fragen hatten Platz auf einem eigenen Wandmonitor gefunden und mussten abgearbeitet werden.

Derzeit bearbeiteten die beiden Offiziere jedoch das Thema Timing.
Wollten sie mit maximalem Erfolg und minimalen Verlusten aus einem Kampf hervor gehen, musste das Timing perfekt sein.
Suval ging dabei von der schlechtesten Ausgangssituation aus – alle drei Schiffe der Borealis-Klasse würden ihnen gegenüber stehen. Doch was wie eine Katastrophe aussah, konnte sich auch zum Vorteil entwickeln – wenn das Timing stimmte und die Zusammenarbeit funktionierte…
„Captain auf die Brücke!“ erscholl mitten in eine Diskussion über Feuersequenzen und Ausweichmanöver der Ruf Momoas und Suval bedeutete Oliphant mit einem Nicken, ihr zu folgen.

SD 2417.204, 11:31 Uhr, Brücke der USS Iowa

Suval und Oliphant standen noch in der Tür zum Kontrollzentrum, als Momoa bereits Bericht erstattete.
„Es sind die Klingonen, Captain. Sie halten Position an Steuerbord, Entfernung etwa hunderttausend Kilometer.“
Mit einem Nicken nahm sie die Neuigkeit zur Kenntnis. Kurz herrschte nachdenkliches Schweigen, während dem sich auf der sonst ernsten Miene der Rihanna ein kurzes Lächeln zeigte, dann wandte sich an ihren taktischen Offizier.
„Toni, öffnen Sie einen allgemeinen Kommunikationskanal, Kurzstrecke, alle Frequenzen.“
„Ma’am?“ Verwirrung schlich sich in das professionelle Gebaren des taktischen Offiziers.
„Sie denken, die Rihannsu sind schon hier?“ Es war Momoa, der den Grund für diesen Befehl eruierte.
„Würde ich beim Geheimdienst arbeiten und mir jemand in der aktuellen Situation Informationen anbieten, würde ich der Einladung folgen – und wäre zur Stelle, noch bevor der Gastgeber erscheint.“
Ein verstehendes Brummen des ehemaligen Marine erfolgte und Bretano bestätigte den geöffneten Kanal.

„Hier spricht Captain Suval von der Iowa. In Ermangelung eines neutralen Ortes biete ich Ihnen ein Treffen an Bord meines Schiffes an. Zur taktischen Einschätzung der Lage schlage ich die Teilnahme des Kommandanten sowie eines taktischen Offiziers vor. Selbstverständlich dürfen Sie sich von einer Ehrenwache, bestehend aus zwei Personen, begleiten lassen. Für die diplomatische Delegation – falls sie diese auch mitbringen wollen – gelten keine Einschränkungen. Bestätigen Sie, wenn Sie den Bedingungen zustimmen.“
Ein akustisches Signal vermittelte, dass der Kanal geschlossen wurde.
„Captain, die Klingonen bestätigen.“
„Immerhin etwas.“

„Medeba, entdecken Sie eine zweite Neutrino-Quelle?“
„Negativ, Captain.“
Einige Minuten vergingen daraufhin, in denen es sonst ruhig blieb und Momoa seine Vorgesetzte erwartungsvoll anblickte.
„Das Wichtige beim Katz-und-Maus-Spiel ist, zu wissen…“
„…wer die Katze ist“, ergänzte Suval mit einem angedeuteten Lächeln den von ihrem ersten Offizier begonnenen Satz, als sich Bretano ein weiteres Mal meldete.
„Ich erhalte eine zweite Bestätigung. Der Ruf kommt von Backbord achtern, Entfernung etwa vierhunderttausend Kilometer. Vermutlich verstecken sie sich im Sensorschatten dieses Mondes.“
„Wenigstens auf die Paranoia der Rihannsu ist Verlass“, kommentierte Momoa und erntete ein schmales Lächeln.
„Teilen Sie den beiden bitte mit, dass wir uns in zwei Stunden treffen, Toni.“ Ein Nicken ging der Befehlseingabe auf der Konsole voraus. „Bis dahin…“ Suvals Blick wanderte wieder zu Oliphant wie um zu verdeutlichen, dass sie noch einiges an Arbeit vor sich hatten.

SD 2417.204, 13:40 Uhr, Deck 6, Konferenzraum der Iowa

Suval und Talera waren darin überein gekommen, dass es sinnvoll wäre, die politische Debatte von der taktischen zu trennen, weshalb die diplomatischen Delegationen in einem separaten Konferenzraum Platz genommen hatten.
In der hiesigen Räumlichkeit hatte sich indes die rihannische Abordnung um Arrhae t’Riuurren eingefunden – wie abgesprochen nur in Begleitung dreier weiterer Offiziere. Mancuso hatte sich über diese Beschränkung sowie jene, dass alle Gäste nur solange wie nötig an Bord bleiben, zufrieden gezeigt und seine Planungen fortgesetzt.
Infolge dessen begleiteten nun er und ein Bolianer, der wohl neu in der Crew war und dessen Name Suval daher leider unbekannt, Commander Oliphant und die Kommandantin bei ihrer Unterredung mit den geschätzten Kollegen.

„Es freut mich außerordentlich, Sie gesund und munter wieder zu sehen, Captain“, grüßte Arrhae mit einem Lächeln, als Suval den Raum betrat. Mit einem schlichten Nicken begegnete sie vorerst den Worten – die Tatsache, dass die Rihannsu an der Befreiung Suvals von Tzenkethi Prime zumindest einen Anteil hatten, war ihr unlängst zugetragen worden – und nahm Platz.
„Willkommen an Bord, khre’Rionel.“
Für einen kurzen Augenbick erinnerte sich die Kommandantin an die Gelegenheit, bei der Arrhae das letzte Mal auf der Iowa gewesen war. Da unterstellte man dem Sternenflottenkreuzer, einige rihannische Kolonien angegriffen zu haben. Der Übeltäter sah zwar aus wie die Iowa, entstammte aber einem parallelen Universum. Es hatte viel Zeit, Geduld und guten Willen erfordert, die Rihannsu von der Unschuld der Sternenflottenbesatzung zu überzeugen.
„Ich hoffe ja, Ihr klingonischer Freund taucht noch irgendwann auf“, meinte Arrhae, deren Vergangenheit noch weit über den Vorfall mit der HMS Iowa hinaus und intensiver, als es wohl jedem an Bord gefiel, mit der Geschichte der USS Iowa verbunden war. „Ich habe immerhin nicht ewig Zeit.“
Im selben Augenblick öffnete sich die Tür und geräuschvoll betrat die klingonische Abordnung den Raum.
„Ich kann dafür sorgen, dass Sie ewig Zeit haben. Wenn Ihr Körper zu Staub zerfällt und Ihre Seele im Gre’thor verweilt, wird Ihnen das zumindest vorkommen wie die Ewigkeit“, polterte Garok los, noch bevor er Platz genommen hatte.
Mancuso, der schräg hinter Suval Stellung bezogen hatte, schien angespannt.
„Ich bin entzückt, Klingone“, entgegnete Arrhae und lehnte sich selbstgefällig zurück. „Ich frage mich, wie Ihnen das gelingen will…“
„Ich habe Sie nicht hierher gebeten, damit Sie sich gegenseitig beleidigen, geschweige denn die Schädel einschlagen!“ ging Suval energisch dazwischen, ehe Garok antworten konnte.
„Dann stellt sich die Frage, weshalb wir sonst hier sind?“ erkundigte sich Arrhae.
„Wir brauchen einen Plan, wie wir eines dieser Schiffe aufbringen können.“
Mit einem Mal herrschte Stille im Raum, selbst Garok hatte sein beständiges Brummen eingestellt, und sowohl Rihannsu als auch Klingonen blickten Suval ungläubig an.
„Sind Sie wahnsinnig?“ erscholl es simultan aus den Mündern der gastierenden Kommandanten.
„Schön, dass Sie sich wenigstens einmal einig sein. Vielleicht kann das die Grundlage für die notwendige Zusammenarbeit sein“, meinte Suval und übergab das Wort an Oliphant. Dieser sollte einige taktische Informationen über die Borealis-Klasse zur Kenntnis geben, auf deren Basis man eine Strategie erarbeiten konnte – jedoch ohne dabei zu vermitteln, dass man den Schiffstypus schon länger kannte beziehungsweise sogar selbst iconianische Technologie nutzte.

SD 2417.204, 17:50 Uhr, Krankenstation der USS Iowa

Kaum war die Unterredung, die man nur schwer als konstruktiv bezeichnen konnte, beendet, hatte ein Dringlichkeitsruf des leitenden medizinischen Offiziers sie in die Krankenstation beordert. Lorek hatte keinen Grund für die Notwendigkeit ihrer Anwesenheit genannt, dennoch konnte sie sich diesen bereits vorstellen.

Als sie das Büro des Chefarztes betrat, saß selbiger hinter seinem Schreibtisch. Er wirkte seltsam distanziert, über das gewohnte vulkanische Maß hinaus, und ihr ging auf, dass sie ihn seit ihrem Start von Aldebaran lediglich während des diplomatischen Banketts zu Gesicht bekommen hatte. Und obwohl Geoffrey Home angelehnt an die Wand neben dem Schreibtisch stand, galt ihre volle Aufmerksamkeit dem Vulkanier.
„Captain Suval“, begann er förmlich und senkte seinen Blick auf den Monitor vor sich. „Doktor Home wies mich darauf hin, dass Sie Ihren Termin versäumt haben.“

Ganz offensichtlich war es ihm mehr als ernst. Obwohl Home sich nie als sonderlich regeltreu hervor getan hatte, war er zumindest rigoros, wenn es um das Wohl seiner Patienten ging. Dass er sich dabei insbesondere jetzt an die Vorschriften und den Dienstweg hielt, war zwar lobenswert, passte der Kommandantin allerdings momentan überhaupt nicht in den Kram.

 

Beteiligte: Oliphant, Mancuso, Momoa, gesamte Brückenbesatzung, Lorek, Home, Talera erwähnt

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Veröffentlicht : 6. Oktober 2019 13:53
admin
(@admin)
Admin

SD 2407.204, 4.20 Uhr, Holodeck 3 USS Iowa

Ruhig glitten seine Augen über das Spielfeld. Während die gegnerische Defense auf Ihn zu raste, analysierte er seine Möglichkeiten: Ein kurzer Pass mit der Gefahr das Down zu verlieren, selbst zu laufen oder den riskanten Weg über einen langen Pass. Er konnte den Atem seines Gegenüber schon spüren als er in kühner Präzession den Ball warf. Knapp 20 Yard weit trudelte das Football- Ei zu seinem Wide- Receiver der es sicher fing und sogar noch 5 Yard Raumgewinn erlaufen konnte. Das neue 1st- Down war sicher. Der holografische Referee legte den Ball auf den Spott, weiter geht es.

„Wäre nur alles so einfach“, schoss es ihm durch den Kopf. Nur war jetzt nicht die Zeit um sich Gedanken zu machen. Kurze Taktikbesprechung, das Huddle, ab in die Box, zwei Rufe für seine O- Line, der Snap und dann lag der Ball in seiner Hand. Doch dieses Mal hatte die Defense seinen Spielzug lesen können und die Wucht von drei Kühlschränke auf Beinen brachte ihn donnernd und schmerzhaft zu Fall. Das waren die Momente in denen er sich bewusst wurde das er lebte und das es oft mit Schmerz verbunden war.

 

Über 9 Stunden später. Deck 6, Konferenzraum der Iowa

Ruhig fuhr er sich über seinen kahlrasierten Schädel, eine Geste die er stets vollzog, wenn er sich gedanklich noch sortierte. Die Augen der Delegationen lagen auf ihm, fast wie die der Verteidiger Stunden zuvor auf dem Holodeck. Nur gab es jetzt nicht die Möglichkeit ein Tackling anzusetzen, zumindest würde es dann unter Umständen zu einem diplomatischen Zwischenfall kommen.

„Wie Sie hier alle wissen sind die Schiffe sehr alt, eine genaue Zahl ist dazu nicht möglich da die Datenmenge dazu zu lückenhaft ist. Zudem können wir den letzten Wartungsintervall nur schätzen. Die wenigen Informationen die wir haben stellen wir Ihnen natürlich gerne zur Verfügung." Suval und er hatten zuvor diese Daten zusammengestellt, bisher sollte niemand erfahren dass die Sternenflotte mehr wusste. Das Geheimnis blieb damit gehütet. "Diese bisher, zugegeben vagen Daten, können uns von Vorteil sein.“ Fuhr Oliphant fort.

„In wie fern? Haben Sie Rost angesetzt?“ Ein schallendes Lachen folgte dem Einwand von Garok.

„Unter Umständen ja, allerdings reden wir nicht von klingonischen Schiffen“. Alan hatte bewusst die Provokation des Klingonen aufgenommen, auch wenn Suval, zumindest aus den Augenwinkeln wahrgenommen, nicht begeistert über die Wortwahl des taktischen Offiziers war.

Garok’s Augen verkniffen sich zu einem engen Schlitz, er wirkte als wolle empört sich hochreisen, den Stuhl auf dem er saß zu Boden werfen und dem Menschen sein Herz vor den Augen aller Anwesenden aus dem Laibe reisen. Doch dann nur innerhalb einer Sekunde entspannte sich sein Gesicht und ein erneutes schallendes Lachen erfüllte den Raum.

„Das ist wohl war, ich glaube das die Hälfte der klingonischen Flotte aus Rost besteht. Fahren Sie fort Commander“.

„Danke“, entgegnete Oliphant und fuhr fort: „Diese Umstände und das richtige Timing sowie die Absprache einer einheitlichen Taktik können dazu führen, dass wir eine Chance haben. Allerdings müssen wir das Rudel der Wölfe dazu aufteilen. Allen drei Schiffen sich zu stellen ist wahrlich unmöglich und dann eines davon in Besitz zu bringen würde einem Wunder gleichen. Commander Bretano und ich haben dazu einen Plan ausgearbeitet, der ihnen auf dem PADD vor ihnen vorliegt. Im Großen und Ganzen besteht der Plan aus drei Phasen. Erstens: Ablenkung, es muss uns gelingen das wir die Sensoren der Schiffe täuschen, dazu haben wir eine Reihe von Möglichkeiten abgebildet. Zweitens: Isolation und das richtige Timing, durch die Ablenkung muss es uns gelingen das wir eines der Schiffe isolieren können. Bildlich gesprochen, die Schafe umstellen den einsamen Wolf und drittens: Die Hoffnung auf Materialschwund und Teamwork.“

 

08.25 Uhr, Krankenstation, Medikamenten und Materiallager

Über die kabellosen Kopfhörer drang die Musik in seine Ohren. Auch wenn es durchaus Implantat ähnliche Technologie gab, zog er als Nostalgiker und Querkopf die Ausführung über Bügel und Ohrmuscheln vor. Die Stimme des Interpreten Bob Geldorf, ein Künstler aus den frühen 1980er der Erde, schmetterte zur Melodie des Liedes: Tell me why I don’t like mondays. Ein ironisches Lächeln huschte über das Gesicht des Mediziners als ihm der Kalender für heute klar wurde, es war Montag. Und dieser Song umriss sehr gut seine eigene Stimmung aber auch die an Bord der Iowa. Auch wenn ihm wenig Feingefühl zugeordnet wurde und er als Misanthrop und Egoist erst einmal nur sich sah, konnte er nicht die Stimmung, die Ängste und die Sorgen rund um ihn herum übersehen. Dafür überwiegte seine Leidenschaft der Beobachtung und Analyse.

 

Gerade die letzten beiden seiner Eigenschaften hatten ihm wohl die heutiges Tagesaufgabe eingebracht: Inventur. Nicht weil er hier beobachten und analysieren konnte, nein es war mehr das Ergebnis des morgendlichen Gesprächs mit Lorek. Diplomatisch und höflich wie immer, hatte er dem leitenden medizinischen Offizier zu verstehen gegeben, dass dieser umgangssprachlich „scheiße“ aussah und somit kein leuchtendes medizinisches oder gesundheitliches Beispiel sei. Allerdings schien seine zweite Beobachtung dem Vulkanier viel mehr Aufmerksamkeit abzuverlangen, seit knapp drei Wochen fiel Geoffrey auf das ein bestimmtes Medikament an akutem Schwund litt. Es war ein Muskelrelaxans und an sich nichts schlimmes, allerdings gab es keine gültigen Verordnungen in einer der Krankenakten. Bevor Home jedoch sein „Exil“ antreten musste hatte er mit Lorek noch die Causa Suval besprechen können. Der Chefmediziner machte dabei unmissverständlich klar das es dazu zu einem Gespräch kommen würde.

 

17.50 Uhr, Büro des CMO, Krankenstation

Vorfreude war die Süßeste aller Freuden. Und Geoffrey war sich instinktiv sicher das Suval just in diesem Moment seine Gedanken lesen konnte, ihrem Blick zu folge wäre der Mediziner erneut gestorben. Obwohl Lorek ungewöhnlich distanziert wirkte, machte er kein Halt davor gegebenenfalls von seinem Recht als oberster Mediziner Gebrauch zu machen: Die Freistellung des bzw. in dem Fall der Kommandantin.

„Daher fordere ich Sie auf Captain, in ihrem Sinne, einen zeitnahen Termin mit Doktor Home auszumachen.“ Lorek erhob sich, sein Habitus wirkte gequält, auch wenn er es gut verbergen konnte. Seine schmale Gestalt wirkte anmutig, aber auch zerbrechlich.

„Bitte entschuldigen Sie mich jetzt.“ Er nickte beiden zu und verließ sein Büro.

 

Wortlos vergingen einige Sekunden bis Geoffrey sich auf seinen Gehstock stützte und auf Suval zuging. Mit weniger Abstand als es ihr lieb war und es vielleicht auch das Protokoll und Anstand verlangte, blieb er vor ihr stehen.

„jagh nuH HoSghaj 'ach.“ Brachte er akzentfrei hervor.

„Sie sprechen klingonisch?“ Zum ersten Mal sah er Suval ihm gegenüber überrascht.

„Sie etwa nicht?“ Entgegnete er knapp. In Ermangelung von Freizeitaktivitäten und Freunden hatte er im Laufe der Jahre einige Sprachen sich zu Nutze gemacht.

„Ferengi ist viel schlimmer, mehr als hundert Wörter für Regen.“ Ergänze er und fuhr dann fort: „Es bedeutet so viel wie: Die Waffe des Feindes ist meine Mächtigste.“ Für einen Moment ließ er seine Worte wirken.

„Wann haben Sie nun Zeit Captain?“ Die Frage erfüllte den Raum. „Und ich muss Sie wohl nicht an zeitnah erinnern?“

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AntwortZitat
Veröffentlicht : 27. Oktober 2019 15:15
Chateya
(@chateya)
Admin

SD 2417.204, 17:50 Uhr, Krankenstation der USS Iowa

Home fokussierte Suval und wartete auf eine Antwort. Die Rihanna entgegnete dem Blick Homes, ohne den Abstand zu ihm zu vergrößern.
„Da 'gar nicht' wohl nicht in Frage kommt... ich hätte jetzt Zeit“, meinte sie.
„Gut, ich glaube, ich bin abkömmlich bei der Inventur. Apropos“, der Arzt drückte Suval ein PADD in die Hand, was diese überrascht entgegen nahm.
„Was ist das?“
„Mein Lebenswerk“, antwortete Home und ließ eine kurze Pause. „Die Inventarliste. Jemand klaut ein Medikament, Rexlin, ein Muskelrelaxans. Dies nur als Randnotiz.“
„Da Sie es ja neuerdings mit der Kommandokette sehr genau nehmen, wäre Doktor Lorek als Ihr direkter Vorgesetzter Ihr Ansprechpartner für solcherlei Probleme.“ Die Kommandantin blickte auf das PADD und begutachtete das dort Geschriebene.
„Da gebe ich Ihnen recht, allerdings nicht, wenn er der Verdächtige ist. Oder einer der anderen Mediziner.“ Home ließ bei diesen Worten den Captain nicht aus den Augen.
„Ich hoffe, Sie haben gute Gründe für diese ... Vermutungen.“ Suval verzichtete absichtlich darauf, das Wort Anschuldigung zu benutzen.
„Ja, einen scharfen Verstand.“ Ein knappes Grinsen zierte das Gesicht des Arztes.
„Seit wann geht das schon?“
„Seit ungefähr 8 Wochen. Allerdings bekommt kein Patient dieses Medikament. Es gibt keine Aufzeichnung in einer Krankenakte. Und schauen Sie mich nicht so an, ich bin clean.“
„Muskelrelaxanzien waren auch nicht Ihr Thema, soweit ich mich erinnere.“ Suval atmete kurz durch. „Untersuchen Sie das und versuchen Sie herauszufinden, um wen es sich handelt.“ Schließlich gab sie das PADD zurück. „Und versuchen Sie diskret zu sein, falls Ihnen die Bedeutung des Wortes nicht fremd ist.“
„Ja, Captain. Und nun… bei mir oder bei Ihnen?“

„Ist mir gleichgültig, Doktor. Da meine Zeit knapp bemessen ist, können wir auch gern hier bleiben.“
„Gut.“ Mit einem knappen Nicken bedeutete er Suval Platz zu nehmen, woraufhin sie sich auf dem Gästestuhl vor dem Schreibtisch setzte. Home indes hinkte behäbig zum Sessel des CMO und ließ sich nieder.
„Wie geht es Ihnen seit dem letzten Mal?“
„Gut soweit“, entgegnete sie, setzte aber in Gedanken hinzu, dass sie keine Zeit hatte und haben wollte, näher darüber nachzudenken.
„Was ist wenn ich Ihnen sage, dass ich Ihnen kein Wort glaube?“ Home stützte seinen Kopf auf seine Handrücken.
„Das sagten Sie das letzte Mal auch schon.“
„Gut, keine Störungen des Gedächtnisses.“ Er legte eine kurze Pause ein. „Das Ganze bringt nur was, Captain, wenn Sie mitarbeiten. Je weniger Sie das tun, desto länger dauert es. Ich weiß zwar, dass Sie gerne Zeit mit mir verbringen ... Aber auch meine Zeit ist limitiert.“
Suval lehnte sich zurück und faltete die Hände im Schoß, um zumindest in ihrer Haltung Aufgeschlossenheit zu signalisieren. „Ich gehe davon aus, dass Sie nicht gänzlich darüber im Bilde sind, womit wir es gerade zu tun haben. Also erkläre ich es Ihnen gern.“ Home nickte währenddessen knapp und lehnte sich zurück. „Die Tzenkethi, auf deren Einladung wir uns hier befinden, wollen uns vernichten. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob Rache oder etwas anderes ihr Beweggrund ist. Oder einfach die Tatsache, dass sie etwas gefunden haben, mit dem ihnen das sogar gelingen könnte. Deshalb verhandeln wir gerade mit einem ziemlich mürrischen Klingonen und einer nicht weniger missgestimmten Rihannsu darüber, wie wir dieses Problem in den Griff kriegen, ohne dass alle sterben. Und von daher können Sie vielleicht nachvollziehen, dass mir gerade ein wenig die Zeit fehlt, über mich nachzudenken. Also was erwarten Sie von mir?“
Nach einigen Momenten der Ruhe hakte Home ein. „Fällt Ihnen etwas auf?“ Er lehnte sich wieder nach vorne.
„Sie werden mir bestimmt gleich sagen, was mir auffallen sollte.“ Suval bemühte sich, gefasst zu bleiben.
„Das werde ich. Sie weichen aus. Sie schieben immer alles vor Ihr eigenes Wohl – das Schiff, die Crew, die Mission, zur Not auch eine Zimmerpflanze. Und ob es Ihnen nun passt oder nicht, irgendwann sind Sie“, Home griff sich an seinen eigenen Kopf „nicht mehr klar da oben. Und dann treffen Sie eine Entscheidung, die Sie bereuen werden.“
Suval nahm die Aussage äußerlich gelassen auf, dachte aber tatsächlich darüber nach.
„Ich kann Ihnen das sagen, ich habe nichts zu verlieren und es ist als Arzt meine Pflicht. Was ist dann, Captain – können Sie sich das verzeihen, wenn die Situation eintritt?“ Der Ton des Mediziners verschärfte sich zunehmend.

Die Rihanna wurde indes ungeduldiger. „Wenn Sie mich außer Dienst stellen wollen, tun Sie es.“
„Das hätten Sie wohl gerne, den einfachen Weg? Ich hätte Sie nie für einen Feigling gehalten.“
„Sie suggerieren mir, dass Sie das für den einfachsten und richtigen Weg halten. Und ich bin nie in meinem Leben den einfachsten Weg gegangen“, stellte sie mit leiser aber ernster Stimme klar, bemüht, sich nicht weiter provozieren zu lassen.
„Nein, Captain, das suggerieren Sie sich selbst. Es ist der falsche Weg!“ Home legte für einen Moment eine Pause ein und fuhr dann fort. „Fvienn, seien Sie nicht der Narr, der ich war.“
Suval kniff die Augen zusammen und blickte eine Weile Home direkt an. „Ich muss mich wiederholen ... was erwarten Sie von mir?“
„Das Sie sich mit Ihrem Trauma auseinandersetzen.“
„Sie meinen, wenn ich das tue - wenn ich das JETZT tue - bewahrt es mich davor, falsche Entscheidungen zu treffen? Auch wenn es mich ablenkt?“
Home lehnte sich wieder zurück und ließ die Worte kurz auf sich wirken. „Ja. Weil Sie ihre Entscheidungen reflektieren werden. Sicher ist der Zeitpunkt nicht günstig, aber wann ist er das?“
„Wenn ich meine Entscheidungen nicht grundsätzlich reflektieren würde, wäre ich nicht seit sieben Jahren Captain dieses Schiffes“, stellte die Kommandantin klar.
„Ja, nur mussten Sie ihre Entscheidungen sieben Jahre nicht zusätzlich mit einer einschneidenden Traumaerfahrung treffen. Doch so langsam habe ich das Gefühl, dass Sie gar nichts ändern möchten!“
Suval bemühte sich, den letzten Nachsatz zu übergehen und presste kurz die Lippen zusammen. „Wie sieht denn Ihrer Meinung nach eine Auseinandersetzung mit diesem Trauma aus?“
„Es gibt verschiedene Ansätze. Im Normalfall konfrontiert man das Opfer mit den negativen Erlebnissen und fängt dann die entstehenden Emotionen ab. Es gibt auch die Möglichkeit einer medikamentösen Unterdrückung, allerdings löst dies nicht das Problem.“ Nach einer kurzen Pause setzte Home wieder an. „Haben Sie sich jemals dem Erlebten gestellt?“
Suval entspannte sich sichtbar wieder und legte den Kopf leicht schief. „Ja, aber das erwähnte ich meines Wissens nach schon.“
„Ja, das taten Sie, aber was löste es in Ihnen aus?“
„Ich habe wochen-, monatelang nachts kein Auge zugetan und bin, falls doch, immer wieder schweißgebadet aufgewacht… Angeekelt von der Erinnerung an den Geruch von feuchtem Beton und geronnenem Blut. Immer vor meinem inneren Auge die Leichen derer, die ich nicht retten konnte... die meinetwegen gestorben sind.“ Die Rihanna war bemüht, die auftauchenden Bilder im Kopf zu unterdrücken und wirkte überdies verärgert. „Und ich habe mich seitdem bemüht, meine Fehler von damals zu erkennen und dergleichen in Zukunft nicht mehr zuzulassen.“
Home zeigte sich ungerührt. „Sie beschreiben immer nur die Situation, aber was löste es in Ihnen aus? Wut? Trauer? Angst?“
Suval fühlte sich massiv unverstanden und gab schließlich nach all der Provokation dem Drang nach, stand auf und beugte sich über den Tisch.
„Wie soll mich die Beschäftigung mit meinen Gefühlen, die mich ablenken, dazu bewegen, richtige Entscheidungen zu treffen?“ meinte sie aufgebracht und mit erhobener Stimme. „Diese Gefühle sind es doch erst, die mich zu falschen Entscheidungen verleiten... die aus Wut Rache werden lassen, aus Angst Resignation und aus Trauer Zweifel. Und aus Rache, Resignation oder Zweifel eine falsche Entscheidung zu treffen... das könnte ich mir tatsächlich nicht verzeihen.“ Sie atmete tief durch und war bestrebt, sich wieder zu fassen. „Ich bemühe mich seit ich denken kann, meine Gefühle zu zügeln, sie zu kontrollieren. Und Sie sollten eigentlich wissen, dass Menschen und Vulkanoide sich insbesondere im Umgang mit Emotionen sehr unterscheiden.“

Home ließ die Worte für einen Moment wirken. Zum ersten Mal hatte er das Gefühl der Ehrlichkeit in den Worten der Kommandantin zu dieser Situation.
„Sie haben Recht“, begann er zögerlich. „Wir unterscheiden uns im Umgang mit Emotionen, jedoch haben wir sie alle. Es lenkt ab und es ist unangenehm bis schmerzlich, sich damit auseinanderzusetzen und bei allem Respekt, Captain, wenn Sie es nicht täten, wären Sie ein schlechter Kommandant. Die Frage ist und bleibt, warum muss aus etwas Negativem noch mehr Schlechtes erfolgen? Ich weiß, ich bin sicher nicht der Optimist in Lebensgröße und ich brauch es auch nicht in meiner Position, aber Sie schon.“
Suval nahm die Worte Homes stumm auf, dachte sich aber ihren Teil dabei. Schließlich nahm sie wieder Platz.
„Für Vulkanoide ist es doch wichtig, den Geist in Einklang zu bringen, zu reinigen, oder?“
„So ist es.“
„Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind… ist Ihr Geist das im Moment?“
Suval dachte einen Moment darüber nach, ehe sie antwortete. „Bedingt.“
„Wieso nur bedingt?“
„Ich war nicht untätig in den letzten zwei Tagen.“ Immerhin hatte sie viel meditiert. „Und wenn ich sagen würde, mein Geist sei im Gleichgewicht, würden Sie mir ohnehin nicht glauben“, woraufhin Home zustimmend nickte.
„Ich will Ihnen damit sagen, so lange Sie den emotionalen Ballast mit sich rumschleppen wie eine bajoranische Grippe, wird es nicht besser und dann werden Sie Entscheidungen aus Emotionen heraus treffen. Und dann sind Sie an dem Punkt, den Sie genannt haben - aus Wut wird Rache. Und dann ist der Finger sehr schnell am Abzug.“ Suval fragte sich spontan, wie oft das eigentlich in der Vergangenheit schon geschehen war.
„Und was soll ich Ihrer Meinung nach nun tun?“ fragte sie und setzte sogleich hinzu: „Und sagen Sie jetzt nicht, ich soll mich dem stellen.“
Für einen Moment lächelte Home knapp. „Doch, das müssen Sie. Klären Sie den Konflikt mit sich selbst, setzen Sie sich aktiv damit auseinander und verstecken Sie sich nicht immer hinter Ihrer Pflicht. Ihre Pflicht ist es auch, weise Entscheidungen für Ihre Crew zu treffen. Aber nehmen Sie sich dafür Zeit“, schob er hinterher. „Ich weiß nicht, was Ihnen dabei hilft. Meditation, ein Gespräch oder Zeit auf dem Holodeck, um der Aggressionen Herr zu werden. Vielleicht müssen Sie einem mal richtig die Fresse polieren. Und das war keine Einladung.“
Suval wölbte dazu nur unkommentiert eine Braue. „Ich dachte, genau dafür sitzen wir hier? Um dieses ... Unausgeglichenheit in den Griff zu kriegen. Denn falls dem nicht so ist, könnte ich mich auch an jemand anderen wenden, wenn es nicht nur ums Reden geht...“
„Ich kann Ihnen nur den Weg zeigen, ihn aber nicht für Sie gehen. Und es ist Ihre Wahl, das zu tun, sich jemand andere zu suchen.“ Home machte daraufhin eine kurze Pause. „Was erwarten Sie von mir, Captain? Soll ich Sie an die Hand nehmen und Ihnen zeigen wo das Ziel ist?“
Die Kommandantin funkelte den Arzt daraufhin böse an. „Sie haben mich zu dem hier verdonnert. Und wenn Sie sagen, ich soll mich mit jemandem prügeln, das aber nicht mit Ihnen tun, muss ich mir zwangsläufig jemand anderen suchen. Oder nicht?“
„Oh, ich verstehe“, erwiderte er und ein finsterer Blick huschte über sein Gesicht. „Wo und wann wollen Sie die Prügel, Suval?“
Die Andeutung führte seitens Suval zu einem gewissen Amüsement und ein Lächeln deutete sich in ihrem Gesicht an. „Sie wissen, dass das gegen die Vorschriften ist“, wollte sie zuerst das offensichtlichste Argument anbringen.
„Ach, scheißen Sie drauf. Im Rahmen von therapeutischen Mitteln ist es erlaubt.“
„Rein interessehalber... was schwebt Ihnen denn vor?“
„Es muss was Krüppelgerechtes sein.“ Home schmunzelte kurz. „Boxen im Sitzen. Keine Ahnung… etwas wo Sie eine Chance haben.“
Suval runzelte sie Stirn und fragte sich, ob der Arzt wusste, worauf er sich einließ. „Vielleicht fällt Ihnen ja noch was anderes ein. Bis dahin werde ich mich wieder meinen Pflichten widmen, Doktor. Danke für das Gespräch.“ Daraufhin erhob sich die Kommandantin und wandte sich zur Tür.
„Einen Moment noch“, hielt Home sie zurück. „Ich erkläre Sie für diensttauglich, aber unter Auflagen. Ich werde Ihnen diese zukommen lassen.“ Home erhob sich schließlich behäbig. „Zudem erwarte ich einen Terminvorschlag von Ihnen zur Weiterführung der... nächsten Intervention. Bis dahin überlege ich mir etwas.“
Suval taxierte den Arzt noch einmal intensiv und neigte schließlich ergeben den Kopf. Darüber hinaus war sie ernstlich gespannt, was ihm einfallen würde.

 

In bester Zusammenarbeit mit JTV entstanden. 🙂

AntwortZitat
Veröffentlicht : 17. November 2019 20:14
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